SPIRITUALITÄT
Vielleicht begleitet auch Sie - wenn auch nur leise im Hintergrund - eine Stimme, die mehr Beachtung und Vertrauen verdient. Wenn wir ihr mehr Gehör verschaffen und unser Handeln mit ihr in Einklang bringen, ist unser Herz beteiligt. Manchmal brauchen Entscheidungen Zeit, obwohl sie sich so dringlich anfühlen. Wir strengen uns an, grübeln hin und her, weil wir uns in Not fühlen - und kommen doch nicht zum Ergebnis.
Gerade dann ist überaus wertvoll, zu üben, inne zu halten, still zu werden.
Folgendes Gelassenheitsgebet des US-amerikanischen Theologen, Philosophen und Politikwissenschaftler Reinhold Niebuhr bringt es auf den Punkt:
Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Zu Üben, die Situation, wie sie ist, anzunehmen und sich dem "Nicht-Wissen" wie es wird, hinzugeben,
ist eine Fähigkeit, die es sich lohnt zu üben.
Eine spirituelle Verbindung kann auch für das Gelingen Ihrer Partnerschaft sehr wertvoll sein.
Um der inneren Weisheit näher zu kommen, ist es nicht notwendig einer religiösen Glaubensgemeinschaft anzugehören oder eine spezielle spirituelle Praxis zu verfolgen.
Sich regelmäßig in der Natur aufhalten, ohne Ablenkung wieder bewusst wahrnehmen,
sowohl innen (den eigenen Körper, die Gedanken und Gefühle) als auch außen,
die Mitmenschen, Stimmungen, Geräusche, Gerüche - Schönheiten entdecken, auch Singen und intuitive Bewegung -
kann Sie ihrer inneren Weisheit näher bringen, die Ihnen zu mehr Klarheit, Ruhe und mehr Lebensfreude verhilft.
Es geht darum Kontrolle abzugeben, um wieder Entspannung zu erlangen, unabhängig vom äußeren Geschehen.
Man muss den Dingen die eigene ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann.
Alles ist austragen und dann gebären.
Reifen wie ein Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos, still und weit..
Man muss Geduld haben - mit dem Ungelösten im Herzen und versuchen,
die Fragen selbst lieb zu haben.
Wie verschlossene Stuben und wie Bücher,
die in der einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken,
eines Tages in die Antworten hinein.
(Auszug: Brief von Rainer Maria Rilke "an einen jungen Dichter)