Indem wir die Entstehung und die frühen Auswirkungen von Bindungstrauma verstehen, öffnen wir ein Fenster zum Verständnis unserer gegenwärtigen Beziehungsmuster. Dieser Einblick ist ein Schlüssel, um negative Zyklen zu durchbrechen und gesunde erfüllende Partnerschaften aufzubauen.
Ein Trauma entsteht, wenn die Grenzen eines Menschen durchbrochen werden und er dies als existenzielle Bedrohung erlebt. Das resultierende Gefühl von Überwältigung und Hilflosigkeit kann tiefe Spuren hinterlassen. Besonders Bindungstraumata, die in der Kindheit entstehen, haben oft weitreichende Auswirkungen, da Neugeborene und Kinder in besonderem Maße auf ihre Bezugspersonen angewiesen sind.
Menschen sind unter allen Säugetieren die am stärksten
und längsten auf die Fürsorgeihrer Bindungspersonen
angewiesen. Das macht sie in den ersten Lebensjahren
besonders traumasensibel: Während andere Säugetiere
oft schon kurz nach der Geburt erstaunlich selbstständig sind,
benötigen menschliche Babys und Kinder noch über Jahre
besonderen Schutz, Nähe und Unterstützung,
um zu überleben und sich gesund zu entwickeln.
Dies lange Phase der Verletzlichkeit unterstreicht,
wie entscheidend feinfühlige Begleitung ist,
um Bindungstraumata zu vermeiden
und eine stabile Grundlage für das Leben zu schaffen.
Ein Bindungstrauma entsteht, wenn ein Kind wiederholt Situationen wie Vernachlässigung, Missbrauch,
hochstrittige Eltern oder anderen chronischen Stress erfährt und keine Möglichkeit hat,
diese als lebensbedrohlich empfundenen Erfahrungen zu verarbeiten.
Solche Belastungen treten auf, wenn die Bezugspersonen - oft selbst traumatisiert - nicht in der Lage sind,
dem Kind die notwendige Sicherheit und Stabilität zu bieten.
Das Kind entwickelt dann sog. Überlebensstrategien (Link siehe unten),
um mit dem wiederkehrenden Fehlverhalten seiner Bezugspersonen umzugehen.
Dies mag auf den ersten Blick dramatisch klingen, sodass viele Leserinnen und Leser vielleicht glauben,
es träfe auf sie nicht zu. Doch es ist wichtig zu verstehen, dass Kinder - insbesondere in jungen Jahren -
die Welt ganz anders wahrnehmen als Erwachsene. Sie sind existenziell abhängig von ihren Bezugspersonen
und können deren Verhalten weder kritisch hinterfragen noch reflektieren.
Stattdessen nehmen sie das Verhalten unbewusst und ungefiltert auf, selbst wenn es ihnen schadet.
Kinder schützen sogar das Fehlverhalten ihrer Bezugspersonen, weil sie sie lieben und auf sie angewiesen sind.
Sie übernehmen unbewusst Verantwortung für das Leid, das ihnen geschieht, da sie sich nicht vorstellen können,
dass ihre Eltern im Unrecht sein könnten. Diese traumasensible Perspektive verdeutlicht, wie tiefgreifend
solche Erfahrungen das kindliche Erleben prägen können.
Auch andere - auf den ersten Blick harmlos wirkende
Verhaltensweisen von Seiten der Bezugspersonen,
wiederholt vollzogen, können das Kind in seiner Existenz,
d.h. in seinem "Sosein", in Frage stellen und Beschämung hervorrufen.
Indem die Gefühle und/oder Interessen des Kindes
nicht gesehen, anerkannt oder gar verurteilt werden,
können Verwirrung und Unsicherheiten im Kind entstehen.
Es beginnt, seinen eigenen Wahrnehmungen
und Gefühlen zu misstrauen und kommt zu dem Schluss:
Etwas ist falsch mit mir. Teile von ihm bleiben somit unentdeckt,
andere Teile muss es, um in seiner Welt zu überleben, verleugnen.
1. Fällt es Ihnen schwer, Ihrem Partner zu vertrauen, wenn dieser abwesend ist?
2. Wie gut können Sie "allein sein" genießen?
3. Wie tief lassen Sie sich auf Beziehung ein?
4. Wie dramatisch erleben Sie Konflikte mit Ihrer/Ihrem PartnerIn, KollegIn, FreundIn?
5. Was sind Auslöser, die Sie und Ihr(e) PartnerIn in ungelöste Streitigkeiten bringen?
6. Wie schnell/wie plötzlich geraten Sie in diese Streitigkeiten?
7. Wie stark erleben Sie den Kontrast zwischen Einheits- und Getrenntheitsgefühlen mit Ihrer/Ihrem Partner/Partnerin?
8. Erleben Sie sich als zugehörig und wertgeschätzt, oder fühlen Sie sich oft unverstanden und nicht zugehörig?
9. Wie lange halten Ihre Freundschaften?